Kurzer Geschichtsabriss der Filmbegleitung

Als 1895 die ersten rrichtigen' laufenden Bilder gezeigt wurden - beim Vorläufer, der Zauberlaterne, wurde Bewegung schon suggeriert - war das eine große Sensation. Die Menschen waren von buchstäblich allem, was sich nur bewegte, fasziniert.

Auf Kirmessen wurden viele kurze Filme gezeigt: boxende kleine Männer und Kängurus, kleine Tänzerinnen in Schmetterlingskleidchen, Schachtelmännchen, Straßenszenen und Eisenbahnzüge.
GartenKinoBerlin
Kirmes mit Kino Bude, Utrecht 1905, und Garten Kinematographen Theater Kurfürstendamm, Berlin 1913.

Dies fand erst in Zelten statt, oft mit einem 'Erklärer'. Der erzählte dem Publikum, was es zu sehen gab. Schon rasch wurden Säle speziell für Filmvorführungen eingerichtet: das Lichtspielhaus oder Kino.

Viele Menschen zusammen in einem verdunkelten Raum: das erzeugte Spannung und Irritation. Schon bald wurde der ortsansässige Muzikant, oft ein Pianist, dazugeholt, um mit etwas Hintergrundmusik die Stille zu brechen und störende Geräusche zu vertuschen.

Damals stellte sich heraus, dass die Wirkung des Bildes viel größer wird, wenn es mit Musik verbunden ist. Die Filmmusik war geboren.


still: Buster Keaton's Sherlock Jr. 1924 und Yvo & 'Frau Blüthner' und Méliès 1904 (Theater Tuschinski, Amsterdam 2010)

In den ersten zehn Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts wurden Filme länger, und wurden die Themem unterschiedlicher. Die Filme vorsah man immer mit Zwischentiteln. Diese mussten verdeutlichen, was die Schauspieler mit ihrer Körpersprache und ihren Augen nicht sagen konnten - darum waren die Augen dieser Schauspielergeneration stark geschminkt.

Aber weil viele Menschen nicht lesen konnten, blieb auch dann ein Erklärer notwendig, um die Geschichte zu erklären. Musik wurde jetzt immer wichtiger, um das Publikum in der Suggestion der Filmerzählung zu begleiten.

Filmstudios schickten neben der Kopie des Films sogenannte Cue-Sheets mit. Darauf standen Musikvorschläge: was gespielt werden sollte und in welchem Moment. So entstanden Bibliotheken voller 'Feature Film Music', mit zum Beispiel Fragmenten, die speziell für Liebesszenen oder Verfolgungsjagden ausgewählt wurden. Oft war das Musik bekannter Komponisten (Wagner, Mendelssohn, Liszt), aber manchmal wurde auch Musik speziell für einen Film komponiert (Satie, Honneger, Schostakowitsch).

In Filmpalästen großer Städte wurden abendfüllende Filme (von manchmal mehr als drei Stunden Länge) begleitet von großen Symphonieorchestern, ergänzt mit den nötigen Klangeffekten. Manchmal achtzig Mann stark!
Wenn aber derselbe Film in kleineren Theatern im Umlauf war, dann wurde diese Musik manchmal mit einer viel kleineren Besetzung gespielt. Meistens war es jedoch ein einziger Pianist oder Organist.

Es gab viel Zensur, wodurch es passieren konnte, dass ganze Szenen entfernt wurden - Kussszenen zum Beispiel. Auch gab es für verschiedene Länder einen verschiedenen Schluss: ein Hollywood Happy End für die USA, ein dramatisches Ende für Europa und Russland.

Hierdurch dauerte die geschriebene Blattmusik oder der Score oft nicht mehr genauso lang wie das Bild und musste improvisiert werden. Auch gingen Scores und Cue-Sheets auf ihrer Reise von Theater zu Theater oft verloren. Dann musste man oft vor Ort etwas erfinden. Die Musiker interpretierten dann selber den Sinn des Films. Nicht immer wurde ihnen das vom Filmemacher in Dank abgenommen.

Filmproduzenten suchten nach allerlei Methoden, Ton aufzunehmen und synchron mit dem Film abzuspielen, zum Beispiel mit Grammophonplatten für 78 U/min und genialen Maschinen, die an Projektoren gekoppelt wurden.

Im Jahre 1927 wurde der 'optische Ton' erfunden: eine Tonspur auf dem Film. Innerhalb von ein paar Jahren verloren durch diese Erfindung viele Tausende Musikanten, die inzwischen in Kinos und Filmstudios arbeiteten, ihre Stelle.

Von allen Filmen, die vor 1927 gemacht wurden, sind 80 Prozent verloren gegangen. Von der Musik, die für diese Filme geschrieben wurde, blieb noch weniger bewahrt. Vom Improvisationsreichtum ist nahezu nichts übriggeblieben. Dank Filmmuseen und Archiven, die ihren Besitz wieder zeigen wollen, gibt es inzwischen glücklicherweise wieder einige Menschen, die die Kunst des Improvisierens zum Stummfilm am Leben erhalten.

Für mehr Info, bitte klicken Sie LINKS oder FRAGE einfach.

Still: Beyond the rocks (USA 1922) mit Gloria Swanson und Rudolph Valentino

Curriculum Improvisation Geschichte Buchung